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Selbstdarstellung

(Formuliert für das Treffen der Bünde auf dem Hohen Meißner 1988 anläßlich der 75. Wiederkehr des Freideutschen Jugendtags am 3.10.1913 mit der Formulierung der Meißnerformel:
"Die Freideutsche Jugend will nach eigener Bestimmung vor eigener Verantwortung in innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten. Für diese innere Freiheit tritt sie unter allen Umständen geschlossen ein. Alle Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei.")

 

Die Grundlage unserer Arbeit ist der freie Zusammenschluß von Jungen zu Gruppen. Die Gruppen, die durch die Sympathie der Mitglieder untereinander entstehen, sind gesellschaftliche Freiräume, in denen ein freies Lernen, sei es emotional, sozial oder intellektuell stattfindet.

Wir sind unabhängig von Staat, Religionen und Parteien. Unserer Meinung nach kann man keine Förderung beziehen und sich gleichzeitig als unabhängig bezeichnen.

Im gemeinsamen gleichberechtigten Willensbildungsprozeß werden gesellschaftliche Anstöße aufgenommen und verarbeitet, wird versucht, zukünftige Entwicklungen zu erkennen und sie mitzugestalten. Die Betonung bei Gruppenbildung und Lernen liegt auf frei. Das äußert sich auch inder Symbolik unserer Flagge. Das Schwarz steht für das Freie, Anarchische. Die wechselseitige Beziehung zwischen Gruppen, Gruppenmitgliedern und Gesellschaft im sozialen Leben stellen wir durch die rote Sonne dar. Die acht Strahlen symbolisieren die stabile Gruppe. Das Grün des Kranichs verweist auf die Bedeutung der bedrohten Natur, die wir, wie die Nomaden, nicht anthropozentrisch betrachten. Der Kranich, in Japan Zeichen der Zuneigung, ist Symbol für Kontinuität und Zielstrebigkeit. Er steht für die Sympahtie und Homoerotik in der Gruppe.

Die Übereinstimmung des Menschen mit seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen ist die Grundlage der Autonomie des Einzelnen und der Gruppen. Durch ihren Freiraum können sich Ideen und Selbstbewußtsein mit gesellschaftlichen Auswirkungen entwickeln. Die kommunikationsstarken Gruppen arbeiten mit anderen Jugendverbänden in der Form der freien Assoziation bei gegenseitiger Hilfe, so auch im Natur- und Umweltschutz, zusammen.

Auf Fahrten in die Dritte Welt setzen wir uns theoretisch und praktisch mit dieser auseinander, sammeln Erfahrungen, erleben die sozialen Konflikte unserer Zeit und nehmen kulturelle Anstöße auf. Die kennengelernten Kulturformen prägen die Gruppen, sei es durch Übernahme der nomadischen Architektur oder deren Lebensform, die sich, übersetzt in unsere Gesellschaft, z.B. im Zusammenleben in alten Frabriketagen äußert. Desweiteren unternehmen wir Fahrten, auf denen wir wandern, skifahren, arbeiten, Höhlen befahren; machen wir Zeltlager, Seminare und Umweltschutzaktionen.

Durch die bedürfnisorientierte Willensbildung werden zeitgemäße Ausdrucksformen gewählt, z.B. in der eigenen Musik: Punk, Hip Hop, Independent. Das heißt allerdings nicht, daß wir uns von jungenschaftlichen Liedern losgelöst hätten. Als Bewohner unwirtlicher Städte versuchen wir, Jüngeren den Wert von Ästhetik nahe zu bringen. Wir achten auf jungenschaftliche Fahrtenkultur als Teil unseres Selbstverständnisses.

Hamburg, im Frühjahr 1988